Burgbrohl zu Füßen des Burgberges ist von der Entwicklung der örtlichen Industrie geprägt (Foto: Ulrich Siewers PR)
Der Weg vom Rhein nach Burgbrohl führt
kurvenreich durch das romantische Brohltal. Ob mit dem Pkw auf der Bundesstraße
B 412 oder mit dem gemütlich zuckelnden „Vulkan-Express“ der Brohltalbahn
erreicht der Gast den Ort nach knapp sieben Kilometern Fahrt.
Die barocke Statue des Heiligen Josef auf einer hohen Säule ziert den Ortsmittelpunkt - den Josefsplatz (Foto: Ulrich Siewers PR)
Die mittelalterliche Burg wurde 1689 von französischen Truppen zerstört, in den Jahren 1709 - 1710 als Schloss im Barockstil neu errichtet und 2010 zum Luxushotel umgebaut (Foto: Ulrich Siewers PR)
Burgbrohl besteht aus den drei Ortsteilen
Burgbrohl, Lützingen (ehemals Oberlützingen) und Weiler (ehemals
Niederoberweiler) sowie Neu- und Alt-Buchholz. Die Ortsgemeinde zählt heute knapp
3.300 Einwohner.
Pfarramt und Pfarrkirche St. Johannes der Täufer aus dem Jahr 1909 (Foto: Ulrich Siewers PR)
Neuer Absatz
Bahnhof der Brohltalbahn (Foto: Ulrich Siewers PR)
In den vergangenen 200 Jahren war die Entwicklung
des Ortes sehr eng mit der Gründung der verschiedensten Industriebetriebe
verbunden. Grundlage für alle Industriezweige waren bis in das 20. Jahrhundert
die Bodenschätze, die wiederum zum größten Teil ihren Ursprung in der
vergangenen und noch andauernden vulkanischen Tätigkeit haben. Der Trassabbau
wurde erst wieder im 17. Jahrhundert aufgenommen und zwar auf Initiative der
Holländer, die diesen wertvollen Rohstoff für ihre Wasserbauten
wiederentdeckten. Sie installierten im Brohltal die ersten Trassmühlen. Mitte
des 18. Jahrhundert waren in den Steinbrüchen des Brohltals über 300 Arbeiter
beschäftigt. In dieser Zeit wurden auch die Basaltbrüche im Weyerbusch und in
der Mauerlay eröffnet.
Die reichen Tonvorkommen am Südrand des Herchenbergs führten gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau eines großen Produktionsbetriebes für feuerfeste Materialien am Brohlbach zwischen Burgbrohl und Niederoberweiler. Um 1913 fanden 375 Arbeiter in dieser Fabrik (heute Logistikzentrum Fa. Rhodius und Supermarkt) beschäftigt. Die fertigen Erzeugnisse gelangten damals mit der Brohltalbahn an den Rhein.
Noch immer wird am Herchenberg Lavasand abgebaut (Foto: Ulrich Siewers PR)
Die Pfeilerreste einer Überführung der Lorenbahn vom
Herchenberg über die Brohltalstraße und die parallel verlaufende Trasse
der Brohltalbahn sind die letzten stummen Zeugen des einst blühenden
Industriezweiges.
Pfeilerreste der ehemaligen Lorenbahn, die Ton aus der Grube am Herchenberg in die Produktionshallen im Brohltal transportierte (Foto: Ulrich Siewers PR)
Eine neue Größenordnung erreichten die
wirtschaftlichen Aktivitäten durch die Aufnahme der Herstellung von Farben und chemischen Produkten mit
Hilfe der Kohlensäure in einer neu errichteten Fabrik durch die Firma Gebrüder
Rhodius. Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es hektische Anstrengungen im
Brohltal, um in den Besitz von Kohlesäurequellen zu gelangen.
Um 1920 entstanden diese ehemaligen Werkswohnungen der Firma Rhodius in der Kirchstraße in der typischen Basaltarchitektur der Region (Foto: Ulrich Siewers PR)
Heute wird die Kohlensäure zur Herstellung reiner Kohlensäure in trockener Form industriell gewonnen und
nach ganz Europa exportiert. In den letzten Jahrzehnten hat die Firma Gebrüder
Rhodius neben der Erzeugung von Trennscheiben die Herstellung von Getränken
aufgenommen.
Die zahlreichen Mineralquellen und Kohlensäurevorkommen der Gegend um Burgbrohl veranlasste auch andere
Industriezweige in diesem Wirtschaftssektor, sich am Ort niederzulassen. Die Heuft
Systemtechnik GmbH vertreibt seit 1979 weltweit Kontrollgeräte (z.B. Leerflascheninspektoren
und Etikettiermaschen), die überwiegend in der Getränkeindustrie zum Einsatz kommen.
Der Rundbau der "Kaiserhalle" (Foto: Ulrich Siewers PR)
Über den Dächern von Burgbrohl erhebt sich ein auffälliger Kuppelbau, der eine besonders interessante Geschichte zu erzählen hat.
1896 ließ der Burgbrohler Architekt und Bauunternehmer
Wilhelm Bell den Rundbau mit seiner freitragenden Kuppel von zehn Metern
Höhe errichten und nannte ihn dem Zeitgeist entsprechend patriotisch
"Kaiserhalle".
Zur Realisierung seines futuristisch anmutenden
Gebäudes verwendete Bell Trass-Beton, eine ungewöhnliche Betonmischung, die ihm ermöglichte, die Kuppel ohne
Stützvorrichtungen zu bauen. Vermutlich ist die Burgbrohler Kaiserhalle
weltweit
das einzige monumentale Bauwerk, welches mit diesem Material errichtet
wurde.
Da das Bauwerk ohne behördliche Genehmigung gebaut wurde, handelte es sich rein rechtlich um einen
"Schwarzbau". Doch davon ist längst nicht mehr die Rede.
Mittlerweile sehen Fachleute in der Kaiserhalle "eines der
bemerkenswertesten Bauwerke aus den Anfängen der modernen Architektur"
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Panoramaansicht des Höhenortes (Foto: Ulrich Siewers PR)
Immer wieder kommt es bei Spediteuren, Urlaubsgästen
aber auch bei der einheimischen Bevölkerung zu Verwirrungen, wenn es um die
geografische Lage von "Lützingen" geht. Beide haben dieselbe Telefonvorwahl,
aber unterschiedliche Postleitzahlen.
Beide Dörfer liegen hoch über dem
Rheintal, von Brohl- und Vinxtbachtal begrenzt, auf einem Plateau, von dem aus
sich der Blick bis weit über die Ausläufer der Eifel erstreckt. Die beiden
gesellschaftlich, kulturell und kirchlich verbundenen Orte waren seit der
Übernahme des Rheinlands durch
Preußen im
Jahre 1815 eigenständige Gemeinden und gehörten zur Bürgermeisterei Burgbrohl im
Kreis Mayen.
Blick vom Herchenberg ins Vinxtbachtal, im Hintergrund die Höhen des Westerwaldes jenseits des Rheins (Foto: Ulrich Siewers PR)
Blick vom Herchenberg auf das Dorf Oberlützingen (Foto: Ulrich Siewers PR)
Im Rahmen der Mitte der 1960er Jahre begonnenen
rheinland-pfälzischen Gebiets- und
Verwaltungsreform wurde am 7. Juni 1969 aus den Gemeinden Burgbrohl,
Niederoberweiler und Oberlützingen die neue Gemeinde Burgbrohl gebildet, die der
Verbandsgemeinde Brohltal angehört.
Die Filialkirche St. Martin wird von der Pfarrei St. Johannes d. Täufer in Brohl-Lützing betreut (Foto: Ulrich Siewers PR)
Aus den Gemeinden Niederlützingen und Brohl
wurde am 7. November 1970 die Gemeinde Brohl (seit 1. Februar 1971 umbenannt in
Brohl-Lützing) neu gebildet; Brohl-Lützing gehört seitdem zur Verbandsgemeinde
Bad Breisig an.
Öffnungszeiten: Mai - Oktober: Mo - Fr 08.30 - 17.00 h Sa - So 10.00 - 13.00 h
Die Tourist-Information Brohltal hat am Rathaus in
Niederzissen ein Außen-Infoterminal für Gäste und Einheimische eingerichtet,
das kostenlos über das touristische Angebot im Brohltal informiert >>> mehr