Blick über die Dächer von Niederzissen auf Burg Olbrück, Hain und Oberzissen vom Almersbacher Kreuz, wo zu Zeiten der Bassenheimer Herrschaft über das "Zissener Ländchen" ein Galgen errichtet war (Foto: Ulrich Siewers PR)
Es gibt im Brohltal eine Besonderheit bei der Benamung der Ortsgemeinden Niederzissen und Oberzissen. Beide heißen im Sprachgebrauch des Brohltals und seiner Umgebung einfach nur „Zissen“ (Zesse).
Woher der seltsame Name "Zissen" stammt ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die Deutung, dass er auf das keltische Etymon „cisni" mit der Bedeutung „rückwärts, abgelegen, versteckt" zurückgeführt werden kann, klingt einleuchtend. Einer keltische Siedlung wird im Bereich Bausenberg-Scheid in der Nähe vorantiker Handels- und Reisewege vermutet. Die Anwesenheit siedelnder Kelten an diesem Ort ist durch Waffen- und Werkzeugfunde belegt. Der heutige Standort von Nieder- bzw. Oberzissen im damals sumpf- und waldreichen Brohltal wurde vermutlich erst in nachrömischer Zeit durch die Franken besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes namens „Cissen“ stammt aus dem 8. Jahrhundert.
Im späten Mittelalter gehörten die beiden Zissener Ortschaften zur Herrschaft Olbrück der Waldbotten von Bassenheim und waren Bestandteil des „Zissener Ländchens“. Bis zur Erhebung als eigene Pfarrei gehörte Oberzissen bis 1920 zur Pfarrei Niederzissen. Es wird berichtet, dass zur Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert die Niederzissener eher zur lutheranischen Seite tendierten während sich die „Rechtgläubigen“ in der Kapelle von Oberzissen zusammen scharten. Ob daher die seit eh und je schwelenden "Querelchen" zwischen beiden "Zissen" herrühren ...?
Niederzissen ist das Zentrum der Verbandsgemeindeverwaltung Brohltal (Foto: Ulrich Siewers PR)
Mit knapp 2.700 Einwohnern ist Niederzissen die größte Ortsgemeinde im oberen Brohltal und gleichzeitig Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Brohltal. Im Ort findet man Handwerker, Einzelhandels- und Dienstleistungs-unternehmen, kurz alles, was im Alltagsleben gebraucht wird.
Die katholische Pfarrkirche St. Germanus aus dem 13. Jahrhundert bildet den Mittelpunkt des Ortes (Foto: Ulrich Siewers PR)
Niederzissen und das obere Brohltal sind mit dem Pkw gut zu erreichen: Unmittelbar am Ort vorbei führt die Autobahn A 61 mit den Anschlussstellen Niederzissen/Gewerbegebiet "Auf dem Scheid" und Wehr/Industrie- und Gewerbegebiet "Brohltal-Ost".
Wer mehr Zeit mitbringt, kommt per Bahn. Seit über hundert Jahren befördert die Brohltalbahn Güter und Fahrgäste sicher über ihre schmalspurige Strecke von Brohl-Bahnhof nach Engeln.
Katholische Pfarrkirche St. Germanus von 1250 (alter Teil), dreischiffig, gewölbte romanische Pfeilerbasilika mit älterem mächtigen Westturm. Im Innern Gewölbemalereien aus der Erbauungszeit, meist geöffnet >>> mehr
Bausenberg ,150.000 Jahre alt, unter Naturschutz, Deutschlands besterhaltener Hufeisenkrater mit seltener Pflanzen- und Kleintierwelt >>> mehr
Unterirdischer Luftschutzbunker aus dem 2. Weltkrieg, Besichtigung möglich >>> mehr
Jüdischer Friedhof, erstmals 1763 urkundlich genannt Besichtigung möglich >>> mehr
Im Rathaus in der Kapellenstraße befindet sich neben der Tourist-Information auch das Info-Zentrum Vulkanpark Brohltal-Laacher See >>> mehr
Das Almersbacher Kreuz vor dem "Hausberg" der Niederzissener, dem Bausenberg (Foto: Ulrich Siewers PR)
Schmuckstück im Grünen - die Dorfkapelle Maria-Himmelfahrt (Foto: Ulrich Siewers PR)
Seit 1979 gehören die 120 Einwohner des Örtchens Rodder zur Gemeinde Niederzissen.
„Klein aber oho“, diese Aussage trifft auf Rodder zu. Rodder besitzt ein starkes Bewusstsein für die Verknüpfung von Tradition und Moderne. Ein gelungenes Beispiel hierzu ist der Umbau und die Nutzung des Bürgerhauses „Alte Schule“. Das ortsbildprägende Gebäude wurde vorbildlich saniert und zum Teil (im Dachgeschoss) ausschließlich den Jugendlichen zur Verfügung gestellt. Die nicht weit davon stehende Dorfkapelle Maria-Himmelfahrt, umgeben von einem alten Baumbestand, ist seit ihrer Renovierung ebenfalls ein echtes Schmuckstück.
Viel Grün im Ortsbild sorgt für hohe Wohnqualität (Foto: Ulrich Siewers PR)
Der Ortsteil Rodder setzt auf eine innerörtliche Entwicklung und verzichtet auf die Ausweisung von Neubaugebieten im Randbereich. Ein starkes Bewusstsein für die Dorfökologie wird durch Streuobstwiesen und die konkret vorliegende Planung für eine Bachrenaturierung deutlich. Ein hohes bürgerschaftliches Engagement und die Einbindung der Jugendlichen in gemeindliche Planungen zeigen ein beachtenswertes soziales und kulturelles Leben.
Winterstimmung in Oberzissen (Foto: Ulrich Siewers PR)
Knapp 1.100 Einwohner leben in Oberzissen, einer eigenständigen Gemeinde im oberen Brohltal zwei Kilometer westlich von Niederzissen.
Der "Sauerbrunnen" in Oberzissen ist eine für die Öffentlichkeit zugängliche, seit dem Mittelalter bekannte Trinkquelle mit der Charakteristik eines Natrium-Erdalkali-Hydrogencarbonat-Säuerlings. Die ihm zugesprochene Heilwirkung ist über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.
Die rostroten Verfärbungen im Umfeld des Brunnens stammt von Eisen-verbindungen im Wasser, die in Verbindung mit Luft Eisenoxid bilden (Foto: Ulrich Siewers PR)
Eine weitere Sehenswürdigkeit von kultgeschichtlicher Bedeutung sind die zahlreichen "Segensteine" im Bereich des Ortes. Bis 1830 zog die Fronleichnamprozession von Segenstein zu Segenstein, beginnend in Niederzissen, dann ging es nach Oberzissen, von dort nach Hain und Niederdürenbach und von dort nach Niederzissen zurück. Es handelt sich dabei um Wegekreuze aus Lava- gestein. Sie dienten zudem als Stationen zur Ausbringung des Segens bei den alljährlich stattfindenden Flurprozessionen.
Segenstein von 1599 (Foto: Ulrich Siewers PR)
Der Bahnhof der Brohltalbahn in Oberzissen ist ein idealer Startpunkt für Wanderungen und Ausflüge ins und um das obere Brohltal, um einen schönen und erlebnisreichen Tag zu genießen.
Mit dem "Vulkan-Express" fährt man bisweilen im Schrittempo die Steilstrecke hinauf zur Endstation in Engeln (Fahrräder werden übrigens kostenlos befördert). Von dort wandert oder radelt man z.B. mit der ganzen Familie zur Burg Olbrück. Dort wartet bereits Ritter Konrad und geleitet die Besucher stilvoll durch die alten Gemäuer. Danach geht es über Hain zurück nach Oberzissen ins Tal >>> mehr