Blick vom Hochstein auf Bell und den Laacher See (Foto: Ulrich Siewers PR)
Der Pellenzort Bell liegt nur wenige Kilometer südwestlich des Laacher Sees in 370 m Höhe. Er gehört zur Verbandsgemeinde Mendig. Bewaldete Vulkanhöhen wie der Hochstein (567 m) und der Gänsehals (575 m) schützen den Ort vor Wind und Wetter. Im Ortskern von Bell finden sich noch viele alte Bauten aus dem 19. undbeginnenden 20. Jahrhundert, die zum Teil unverputzt sind, so dass das Mauerwerk aus Lava- und Tuffstein zu sehen ist. Auch findet man vereinzelt sehr altes Fachwerk.
Der Backofen und die Basaltstatue eines Ofenbauers erinnern an die alte Handwerkertradition der Beller (Foto: Ulrich Siewers PR)
Der Name des Ortes stammt möglicherweise aus keltischer Zeit. Er bedeutet "hochgelegen, auf der Höhe liegend". In der Tat lassen Grabfunde hinter dem heutigen Gemeindefriedhof den Schluss zu, dass der Ort um 200 v. Chr. bereits besiedelt war.
Später nahmen die Römer Besitz von diesem Gebiet. Bei Ausgrabungen fand man Wasserrohre aus dieser Zeit, die unterirdisch verlegt waren und folglich auf eine römische Ansiedlung schließen lassen. Behauene Tuffsteine am gleichen Fundort lassen vermuten, dass die Römer bereits Beller Tuffstein als Baumaterial nutzten.
Im Zuge der Völkerwanderungen kamen gegen 400 n. Chr. die Franken in die Gegend. Bell gehörte fortan zur "Pellenz", eine Ableitung des lateinischen Wortes "palatium" als Bezeichnung für die Pfalz eines fränkischen Gaugrafen.
Die Pellenz gehörte im 10. Jahrhundert der Herrschaft der Grafen von Hochstaden, dem Pfalzgrafen von der Ahr, bis Pfalzgraf Heinrich (von Rheineck) sie durch Heirat übernahm. Sein Sohn Heinrich II. stiftete 1093 das Kloster "Maria ad Lacum" - Maria am See - und stattete es mit ansehnlichen Besitztümern an Rhein, Mosel und in der Eifel zu. In dieser Stiftungsurkunde wird erstmalig der Ortsname Bell genannt.
Zur Zeit werden die Straßen im gesamten Ortskern erneuert - Sehen Sie, wo der Hammer hängt? (Foto: Ulrich Siewers PR)
Man vermutet, dass der Beller Tuffstein bereits seit 1.000 Jahren für den Backofenbau Verwendung findet. Seine Blütezeit erlebte das Backofenbauerhandwerk allerdings im 19. Jahrhundert. 1822 lebte praktisch das ganze Dorf vom Backofenbau. Viele Backofenbauer arbeiteten ambulant; sie errichteten und reparierten Öfen oft weit über die Grenzen ihres Heimatlandes hinweg. Der dazu benötigte Tuffstein wurde in den Brüchen um Bell gewonnen. Dem Verwendungszweck entsprechend wurden die Steine vorbereitet und entweder am Ort selbst verarbeitet oder mit Pferdegespannen zum Versand per Schiff an den Rhein nach Andernach gebracht.
Die Handwerkstradition des Backofenbaus hat sich in Bell bis in unsere Zeit erhalten. Die Backöfen vonheute werden allerdings nicht mehr aus Tuffstein, sondern aus Stahl hergestellt.
Die Backofenbauer entwickelten auf ihren ausgedehnten Reisen eine eigene Geheimsprache, das so genannte „Läppe Tallep“. Zwar war ihr Beller Platt und die handwerklichen Ausdrücke ohnehin schwer verständlich, aber sie zogen es vor, sich untereinander so zu verständigen, dass kein anderer sie verstand. Das Prinzip des „Läppe Tallep“ bestand darin, dass ausgehend vom Beller Platt einzelne Silben oder Wörter einfach rückwärts ausgesprochen wurden.
Wasserträgerin - Basaltfigur an einer Toreinfahrt (Foto: Ulrich Siewers PR)
Die knapp 1.600 Beller sind auch heute noch ein ganz besonderes Völkchen. Das stellten sie 2009 unter Beweis. Sie nahmen an einem "hammerharten" Wettstreit um den begehrten Hammerdorf-Titel des SWR Fernsehens teil. Alle beteiligten Dörfer wurden dabei auf unter-schiedlichste Artund Weise auf die Probe gestellt: Dabei ging es um Teamgeist, Kreativität, Spontaneität und natürlich um die Ehre. Bell wurde stolzer Gewinner des Wettstreits und damit "SWR Hammerdorf 2009".
Etwas kauzig sind die Beller allemal - hier sichtbar an einer Scheuenenfassade im Dorf (Foto: Ulrich Siewers PR)
Vom Gänsehals hat man eine tolle Aussicht (Foto: Ulrich Siewers PR)
Bell hat für Wanderer und Naturfreunde einiges zu bieten. Vom höchsten Punkt, dem "Gänsehals" (575 m), hat man einen grandiosen Ausblick auf die gesamte Vulkanische Osteifel, den Laacher-See-Vulkan-Komplex, die Pellenz, das Neuwieder Becken, auf die Höhen des Westerwaldes und des Hunsrücks >>> mehr
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