Über den Dächern des Hafenortes wacht Schloss Brohleck über das "Tor zum Brohltal" (Foto: Ulrich Siewers PR)
Schloss Brohleck, auch "Augustaburg" genannt, ist einer von jenen villenartigen Residenzen am Rhein, die sich reiche Industrielle im ausgehenden 19. Jahrhundert gerne leisteten, um standesgemäß zu repräsentieren und zu leben.
Dabei hat der Herrensitz hoch über dem Hafenort Brohl am Rhein (Brohl-Lützing) eine lange Vorgeschichte. Die erste Erwähnung eines Burghauses am Eingang zum Brohltal stammt aus dem späten Mittelalter. Aus alten Urkunden geht hervor, dass 1325 ein gewisser Johann Burggraf von Rheineck das castrum oderfortalitium Brule, das bisher sein Eigenbesitz war, dem Erzbischof Balduin von Luxemburg zu Lehen (Codex Rheno-Mosellanus III, I Nr. 132) anträgt. Die Burg ist anschließend bis nach 1428 Lehen der Burggrafen von Rheineck. Danach fällt der Besitz an die von Metternich zu Sommersberg, die 1449 als Besitzer der Burg in den Annalen erscheinen. Danach gibt es noch etliche Besitzerwechsel.
Vermutlich ist ihr Zustand nach den Reunionskriegen des des 17. Jahrhunderts und der napoleonischen Ära nicht mehr der beste, als 1888 der Brohler Kaufmann J. B. Michiels das Areal erwirbt. Der baut 1891 das alte Gemäuer zum heutigen Schloss um und nutzt es über viele Jahre zu Wohnzwecken. Aus wirtschaftlichen Gründen verpachtet die Familie Michiels später das Haus, das dann als Knabenpensionat dient. 1938 gehört die Burg einer Münchner Bank und findet als Reichsführinnenschule des Reichsarbeitsdienstes (RAD) eine zeitgemäße Verwendung. Es herrschen düstere Zeiten in Deutschland und dem Rheinort Brohl, als im April 1942 etwa 100 jüdische Bürger des Kreises Ahrweiler bis zu ihrem Abtransport in die Vernichtungslager der Nazis im Schloss untergebracht werden.
Nach dem Kriegsende 1945 wird die Ortsgemeinde neuer Schlossherr. Sie vermietet in den 1950-er-Jahren das in Wohnungen aufgeteilte Gebäude an Brohler Familien. Aus Kostengründen wird es in den 1970-er-Jahren an einen einheimischen Bauunternehmer verkauft und gelangt anschließend in den Besitz des Millionärs und „Burgenkönigs“ Herbert Hillebrand. Dessen ehrgeizigen Pläne zur Schaffung einer feudalen Seniorenresidenz lösen sich im Konkurs seines Burgenimperiums im Jahre 1995 auf. Viele Jahre ist die Burg sich weitgehend selbst überlassen. Zahlreiche, am Kauf interessierte Investoren springen ab.
Im März 2003 wird Schloss Brohleck vom Brohler Ehepaar Sabine und Ulrich Liebsch, einem Nachkommen von J.B. Michiels, erworben. Die Renovierung fällt nicht leicht: Wind und Wetter, aber auch Vandalismus und Rowdytum haben dem alten Gemäuer heftig zugesetzt. Die altehrwürdige Burgkapelle ist der reinste Schuttablageplatz.
Seit einiger Zeit erstrahlt die Burg wieder mehr und mehr in neuem
Glanz. Das Ehepaar Liebsch hat sich viel vorgenommen: Ein stilvolles
Restaurant der gehobenen Klasse, Hochzeiten in der Burgkapelle ...
Ein neuer Weinberg ist bereits angelegt. Auch die Ortsgemeinde profitiert vom
Gemeinschaftssinn der neuen Burgherren: Ein alljährlich stattfindender
Weihnachtsmarkt im Burghof gehört für viele Brohler Bürger zu den Glanzpunkten des Jahres.
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